Java

Kokosblütenzucker ist der neue Star unter den Zucker-Alternativen. Seine Ernte und seine Verarbeitung ist schwierig und zeitaufwendig und wird in mühsamer Kleinarbeit von den javanischen Bauern gemeistert.

Wie es begann.

Da wir schon in unserem früheren Berufsleben mit Kokoszucker gearbeitet haben, wissen wir wie schwer es ist, Firmen mit transparenten Geschäftspraktiken zu finden. Insofern war es ein großes Glück, dass wir durch die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit schließlich auf Dippos Naloanro stießen. Er und seine Community von Kokosbauern sind die ersten Fairtrade zertifizierten Produzenten von Kokoszucker in der Welt. Wir haben ihn mitten in der Regenzeit besucht. Als es mal kurz aufhörte zu gießen, haben wir die Pause genutzt und sind mit ihm zu den Bauern gefahren.

Auf dem Weg erzählt uns Dippos Naloanro von der misslichen Lage, in der viele Kokosnussbauern stecken. Oft haben sie Schulden bei Zwischenhändlern, die ihnen die Ernte vorfinanzieren. Im Austausch für den Vorschuss bekommen die einen Teil der Kokoszucker-Produktion. Für manche Bauern wird das zu einer regelrechten Schuldenfalle. Sie können ihre Produktion nur noch an einen Zwischenhändler verkaufen, weil sie ihnen so viel Geld schulden. So entstehen gefährliche Abhängigkeiten. Es gibt also viel Handlungsbedarf für uns und unseren Partner PT Mega Inovasi Organik (MIO).

Java/Indonesien - SoulSpice

Unser Treffen mit den Bauern.

Im Dorf Hargorojo leben 300 Familien mit insgesamt 1.700 Menschen. Hier treffen wir Ibu Juminem. Sie leitet eine Gruppe von 36 Frauen, die Kokosblütenzucker produzieren. Zweimal am Tag klettert ein Palmenkletterer auf die Kokospalmen, um den Nektar zu ernten. Das muss so oft sein, sonst fängt der kostbare Nektar an zu gären. Da keine Zusatzstoffe verwendet werden, verarbeiten die Frauen den Saft direkt. Sie kochen ihn, bis er schließlich zu Kokosblütenzucker kristallisiert. Den Erlös teilen sie dann mit den Palmenkletterern.

“Ich verarbeite 10-15 Liter Nektar pro Tag” erklärt uns Ibu Jeminem, während sie mit geübter Hand im Sirup rührt. “Seit wir mit MIO zusammenarbeiten, hat sich unser Leben deutlich verbessert. Endlich haben wir einen stabilen Preis und einen verlässlichen Markt. Früher haben wir auf dem lokalen Markt verkauft und da schwankten die Preise erheblich. Heute kann ich es mir leisten, mein Haus und meine Küche zu reparieren.”

MIO zahlt mehr als 50 Prozent des üblichen Marktpreises. Zusätzlich erhält die Kooperative 15 Prozent Bonus für den Verkauf von Fairtrade-zertifiziertem Zucker.

Unser Partner Vorort.

Am nächsten Morgen lädt uns MIO in seine moderne Kokoszucker-Manufaktur ein. Der gelieferte Kokosblütenzucker wird als erstes einer strengen Qualitätskontrolle unterzogen. Dann kommt der Zucker für fünf bis sechs Stunden in den Ofen, wo er weiter getrocknet wird.
Mio arbeitet mit über 1.000 Bauern zusammen. Ihnen ist es wichtig, nur den kristallisierten Zucker einzukaufen und nicht den harten Zucker in Blöcken, wie es die meisten Einkäufer auf dem Markt tun. Das ermöglicht eine bessere Wertschöpfung für die Bauern. Im Durchschnitt hat jeder Bauer ein bis zwei Hectar Bio-Ackerland, auf dem viele Bio-Produkte angebaut werden können. Wir teilen die Mission von MIO und glauben, dass das Konzept vom Bio-Anbau den Bauern helfen wird, ihr Einkommen dauerhaft zu verbessern und ihnen so einen höheren Anteil an der Wertschöpfung ermöglicht.Gewürze machen vieles besser. Lebensumstände zum Beispiel.

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PT Mega Inovasi Organik (MIO) ist unser lokaler Partner in Indonesien. Anfangs konzentrierte sich die Firma auf die Produktion von Kokosblütenzucker. Mittlerweile erweitert sie ihr Angebot auf andere Bio-Produkte wie langen Pfeffer, Kubeben-Pfeffer, der für Gewürzmischungen wie Ras el-Hanout verwendet wird, oder Vanille. Diese Diversifizierung sichert den Bauern ihr Auskommen: Sie sind bei ihren Einkünften weniger von einem Produkt abhängig.Die Idee von MIO ist, mit den Bauern ein Konzept zu erarbeiten, das es ihnen erlaubt nachhaltiger zu wirtschaften. Die Basis dafür sind Bio-Produkte, die den Kriterien von fairem Handel entsprechen.

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Die Anbau-Methoden

Das Beherrschen von alten, traditionellen Methoden soll sich für die Bauern Indonesiens wieder lohnen und zu einem selbstbestimmten Leben frei von Armut führen. Der Zugang zu den internationalen Märkten ist dafür unerlässlich und es braucht eine lückenlose Qualitätskontrolle. Wie die funktioniert, erklärt Dippos Naloanro, der CEO von MIO: “Wir können die Qualitätsstandards sichern durch unser ICS, unser Internal Control System. Es erlaubt uns, unsere Produkte bis an den Anfang zurückzuverfolgen und damit die ganze Kette transparent zu machen. Unsere Kokosbauern arbeiten in Gruppen von 20 bis 30 Leuten, jede Gruppe hat einen Sprecher, der für die gesamte Produktion verantwortlich ist. Regelmäßig finden Treffen statt, bei denen die Mentoren von MIO den Bauern mit Rat und Tat in allen Fragen rund um den Bio-Anbau zur Seite stehen und ihnen bei den ersten Schritten der Produktion assistieren. Das geht beim Pflanzen der Bäume los, über die verschiedenen Schritte des Anbaus bis zur korrekten Verpackung und Beschriftung vor dem Transport in unser Verarbeitungszentrum.”

MIO entwickelt gerade einen Fairtrade Fund, der neue Projekte entwirft, mit denen den Bauern geholfen werden kann. Dippos betont: “Wir kümmern uns um unsere Bauern, indem wir soziale Aktivitäten unterstützen. Wir helfen lokalen Kindergärten, Waisenhäusern und spenden für lokale Infrastrukturprojekte. Wir helfen Bauern, die durch Unglücksfälle in Not geraten sind, in manchen Fällen etwa dadurch, dass wir ihren Kindern Stipendien geben.”