Ein gutes Gewürz finden. Ins Glas füllen. Etikett drauf, Website bauen, loslegen.
So übersichtlich kann eine Gründung aussehen, solange man noch nicht mittendrin steckt.
Wir hatten Erfahrung mit internationalen Lieferketten, kannten hervorragende Produzenten und wussten, was wir mit SoulSpice erreichen wollten: Menschen für richtig gute Gewürze begeistern und durch unseren Einkauf etwas am Ursprung bewegen.
Wie viel Arbeit zwischen dieser Idee und der ersten Bestellung lag, haben wir trotzdem gewaltig unterschätzt.
Frühjahr 2016: viele Fragen, viele Namen
Im Februar begannen wir zu recherchieren und Ideen zu sammeln. Was gab es schon? Wer würde unsere Gewürze kaufen? Wo könnte SoulSpice seinen Platz finden?
Für unsere Workshops kamen ungefähr zehn Menschen zusammen: Boris und ich, unsere Designagentur, Menschen mit Verbindungen zu den Projekten am Ursprung und weitere Mitstreiter der ersten Stunde.
Wir diskutierten unsere Werte und darüber, wie sie sich im Unternehmen wiederfinden sollten. Geschmack und Wirkung standen im Mittelpunkt. Daraus mussten konkrete Entscheidungen werden: zu Einkaufspartnern, Preisen, Verpackung und Gestaltung.
Auch der Name beschäftigte uns ausgiebig. Spicy Spoon? Green Elephant? Masala-Me? Nach vielen Vorschlägen kamen wir zurück zu unserem ursprünglichen Favoriten: SoulSpice. Den Umweg hatten wir offenbar gebraucht.

Sommer: unterwegs und für alles zuständig
Ab Mai besuchten wir Projekte und Produzenten. Die Reisen zogen sich durch den Sommer bis in den September. Wir wählten Gewürze aus und besprachen, wie wir zusammenarbeiten könnten.
Parallel liefen die Workshops und die Designentwicklung. Welche Verpackung schützt die Aromen, sieht gut aus und passt zu unserem Nachhaltigkeitsanspruch? Was gehört aufs Etikett?

Gleichzeitig mussten wir die Firma gründen, Bankkonten eröffnen und Verträge aufsetzen. Dazu kamen Lebensmittelvorschriften, Qualitätskontrollen, Bio-Zertifizierung und die Anforderungen an Import und Verkauf.
Und dann noch Produktfotos, Texte, Website, Versandkartons und DHL-Abholungen.
Am Anfang trägt man all diese Hüte selbst. Jede erledigte Aufgabe scheint drei neue hervorzubringen. Man will möglichst professionell arbeiten und lernt gleichzeitig ständig etwas von Grund auf neu.
Herbst: Endspurt fürs Weihnachtsgeschäft
Ab September ging es in die letzte Vorbereitungsphase. Unser Ziel stand fest: Anfang Dezember wollten wir starten. Rechtzeitig, um das Weihnachtsgeschäft mitzunehmen.
So zumindest unsere Rechnung.
Heute wissen wir, wie früh die Vorbereitungen dafür beginnen. Wer im Weihnachtsgeschäft im Handel stehen möchte, muss schon Monate vorher verkaufen. Anfang Dezember eine unbekannte Marke zu lancieren, war ein ziemlich optimistischer Zeitplan.
Wir eröffneten unseren Stand in der Markthalle Neun in Berlin, unsere erste Website ging online. Nach rund zehn Monaten Vorbereitung waren wir bereit. Die Kunden hatten allerdings nicht auf uns gewartet.

Aufmerksamkeit zu gewinnen wurde zur nächsten grossen Aufgabe. Und die ersten Rückmeldungen veränderten unseren Plan: Wir entwickelten mehr Mischungen, gingen auf Feinkostläden zu und passten Angebot und Vertriebswege an.
Was wir mitgenommen haben
Ja, wir waren naiv. Wahrscheinlich hat uns das auch geholfen. Hätten wir den ganzen Himalaya an Arbeit vor uns gesehen, wären wir womöglich gar nicht erst losgegangen. So beschäftigten wir uns mit der jeweils nächsten Aufgabe. Davon gab es zum Glück genug.
Und wir hatten einen sorgfältig ausgearbeiteten Businessplan. Die Realität hielt sich nur bedingt daran.
Wir mussten lernen, unsere Planung als Ausgangspunkt zu nehmen und sie laufend zu überarbeiten: zuhören, ausprobieren, Angebote verändern und akzeptieren, dass auch die Zahlen anders aussehen können als erhofft. Das fällt nach Monaten Vorbereitung nicht leicht. Aber genau diese Beweglichkeit brauchten wir, um aus unserer Idee nach und nach ein funktionierendes Unternehmen zu machen.